Autonomes Fahren mit Mietwagen: Science Fiction oder bald Alltag?

vernetzte MietwagenDie Zeiten ändern sich. Im Allgemeinen erleichtern uns technologische Veränderungen den Alltag, den Job und möglicherweise bald auch die Anmietung von Mietwagen.

Bei den Autovermietungen wurden in den letzten Jahren die Mietwagen selbst immer moderner, aber am Anmietvorgang hat sich nicht viel verändert. Unser reserviertes Auto holen wir nach wie vor am Standort der Autovermietung ab, legen unseren Führerschein vor und zahlen mit Karte. Im Gegenzug wird uns der Fahrzeugschlüssel ausgehändigt.

Damit soll es bald vorbei sein. Die Autovermieter testen bereits an vielen Standorten digitale Anmietprozesse, die ohne Schlangestehen auskommen. Möglich macht das die „Connected-Car-Technologie“ – vernetzte Autos, die mit dem Internet und / oder mit anderen Fahrzeugen kommunizieren.

Etwas weiter in der Zukunft werden wir zur Anmietung nicht mehr zum Standort des Mietwagens gehen, sondern das autonom fahrende Leihauto wird auf Bestellung zu uns kommen. Was noch nach Science Fiction klingt, ist technisch bereits möglich.

Vernetzte Autos – die Connected-Car-Technologie

Die meisten modernen Autos verfügen heutzutage über eine Internetverbindung und sind somit vernetzt. Man schätzt, dass der Anteil vernetzter Fahrzeuge auf den Straßen im Jahr 2019 etwa 20 Prozent betragen wird. Daraus ergeben sich neue Funktionalitäten für Fahrer und Fahrerinnen. So werden zum Beispiel mit dem europäischen Notrufsystem e call im Falle eines Unfalls alle relevanten Daten automatisch an die Rettungskräfte übertragen. Auch Verkehrsinformationen können heute schon in Echtzeit verarbeitet und die Navigation entsprechend angepasst werden.

Vernetzte Fahrzeuge können miteinander kommunizieren und so ggfs. rechtzeitig und ohne Zeitverzögerung bremsen und Unfälle vermeiden. Die Reaktionszeit eines Computers liegt immerhin deutlich unter der eines Menschen.

Bei vernetzten Autos, die ständig untereinander und mit anderen Systemen kommunizieren, fallen jede Menge Daten an. Diese Daten könnten zukünftig unter anderem dazu genutzt werden, den Verkehr insgesamt besser zu lenken, die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen oder die Motorperformance der einzelnen Autos zu verbessern.

Softwareupdates für das Auto können dann an jedem Ort durchgeführt werden – es ist nicht notwendig, dass man dazu in eine Werkstatt fährt.

Nicht nur die einzelnen Fahrer, sondern vor allem auch Mobilitäts- und Logistikunternehmen profitieren von vernetzten Autos und LKW. Zum Beispiel können im Güterverkehr die einzelnen Lieferungen in Echtzeit verfolgt werden. Das hilft dabei Fahrten zu optimieren und Leerfahrten zu vermeiden.

Aus all den Vorteilen ergibt sich, dass sich anhand der verarbeiteten Daten detaillierte Bewegungsprofile der einzelnen Autos und auch der einzelnen Fahrer und Fahrerinnen erstellen lassen. Früher oder später werden auch die KFZ-Versicherer Interesse an diesen Daten haben, was vermutlich nicht jedem Fahrzeughalter oder jeder Fahrzeughalterin recht sein kann.

Daten, die irgendwo gespeichert oder übertragen werden, können im Zweifel auch von Unbefugten ausgelesen werden. Deshalb wird Datensicherheit in naher Zukunft für die Automobilkonzerne ein sehr wichtiges Thema werden, wenn sie das Vertrauen der Kunden und Kundinnen in die neuen Technologien nicht verspielen wollen.

Zukunftsmusik: Autonomes Fahren

Während ein vernetztes Auto den Fahrer oder die Fahrerin unterstützt, fährt ein autonomes Fahrzeug ganz allein.

Vermutlich wird autonomes Fahren in nicht allzu ferner Zukunft der Alltag auf unseren Straßen sein. Das Ziel sind dabei vollständig autonome Autos, bei denen Fahrer und Fahrerinnen überhaupt nicht mehr ins Geschehen eingreifen und während der Fahrt beispielsweise E-Mails lesen oder Filme gucken können.

Auch die lästige Parkplatzsuche wird bei den autonomen Autos in den vernetzten Städten der Zukunft weg fallen: Am Ziel steigen wir aus dem Wagen aus und das Auto steuert selbstständig den nächsten freien Parkplatz an. Wenn nicht mehr Menschen sondern Computer unsere Autos parken, wird weniger Parkfläche benötigt. Schließlich muss dort niemand ein- oder aussteigen und die Fahrzeuge können dichter geparkt werden.

Selbstfahrende Autos werden sich immer „vernünftig“, vorsichtig und gesetzteskonform verhalten. Damit steigt die Sicherheit nicht nur für die Fahrzeuginsassen, sondern auch für andere Verkehrsteilnehmer und Fußgänger.

Mit vollständig autonomen Autos ergeben sich völlig neue Mobilitätslösungen für Leute, die heutzutage nicht in der Lage sind einen Führerschein zu machen, z.B. für blinde Menschen.

Das ist noch Zukunftsmusik, jedoch werden halbautome Fahrzeuge seit einiger Zeit recht erfolgreich im Verkehr getestet. Sie können die meisten Strecken selbst meistern, an der einen oder anderen Stelle ist es jedoch nötig, dass Menschen eingreifen. Hierbei müssen die Fahrzeuglenker also den Verkehr im Blick behalten und können sich nicht mit anderen Dingen beschäftigen.

Bevor selbstfahrende Autos auf unseren Straßen die Norm werden, muss noch die eine oder andere Hürde genommen werden:

  • Jedes denkbare Szenario muss getestet werden, d.h. die Software muss auch mit außergewöhnlichen und unwahrscheinlichen Situationen umgehen können.
  • Das Auto darf von außen nicht angreifbar sein.
  • Die personenbezogenen Daten der Nutzer und Nutzerinnen müssen geschützt sein.
  • Einige rechtliche Fragen, z.B. zur Haftung im Falle eines Unfalls, sind noch zu klären.

Vernetzte und autonome Mietwagen

Autonome Mietwagen gibt es noch nicht, aber andere Technologien werden von den Autovermietern schon genutzt oder zumindest getestet.

So muss man an einigen Standorten von Avis in den USA und Großbritannien nicht mehr zum Schalter gehen um den Mietvertrag zu unterschreiben und den Schlüssel abzuholen. Der Wagen wird per Smartphone-App gebucht, in der App wird ein konkreter Mietwagen zugewiesen und dessen Standort angegeben. Das Fahrzeug lässt sich mit ebenfalls per App öffnen.
Bei der Fahrzeugrückgabe übermittelt das Auto den aktuellen Kilometerstand, den Tankfüllstand und die Parkposition automatisch.

Hertz bietet registrierten Kunden an einigen Flughäfen in den USA einen „Fastlane“ genannten Service an. Der Mieter oder die Mieterin gehen dabei nicht zum Counter, sondern suchen sich den passenden – und entsprechend gekennzeichneten – Mietwagen auf dem Parkplatz aus, steigen ein und fahren damit bis zu einer Schranke. Dort ist ein System zur Gesichtserkunnung installiert. Wenn Fahrer oder Fahrerin erkannt werden, wird der Mietvertrag automatisch erstellt und die Schranke öffnet sich. Kein Schlangestehen, keine nervenden Verkaufsgespräche und wenig Raum für Missverständnisse.

Die deutsche Autovermietung Sixt will kurzfristig ihre gesammte Mietwagenflotte fit für die Kommunikation mit den Smartphones der Kunden machen. Das Auto wird dann per App gebucht und lässt sich ebenso per App öffnen. Ein physischer Schlüssel ist nicht mehr nötig. Diese Technik wird von Carsharing-Anbietern wie Car2Go bereits seit Jahren genutzt. Überhaupt scheint man sich bei Sixt auf die Digitalisierung vorzubereiten. So gibt es mit „Sixt X“ einen neuen Geschäftsbereich, der Innovationen im Unternehmen vorantreiben soll.

Den autonomen Mietwagen der etwas ferneren Zukunft müssen wir dann nicht mehr an einer Vermietstation abholen. Wir buchen unser Wunschmodell vorab per App und das Auto wird selbstständig -autonom- von der Autovermietung zu unserem Standort kommen. Wir steigen ein, fahren zu unserem Zielort und das Auto parkt sich selbstständig, während wir schon im Restaurant / Büro / Zug sitzen.

Wenn wir den Mietwagen nicht nutzen, zahlen wir nichts. Für viele von uns wird dieses „Pay-Per-Use-Modell“ günstiger sein als ein eigenes Auto zu besitzen.

Vernetzte Fahrzeuge und die dabei anfallenden Daten bieten auch für die Autovermieter große Chancen. Fragen zum Fahrzeugstandort und Fahrzeugzustand lassen sich auf Knopfdruck aus der Ferne abrufen, allerdings auch Daten zum Fahrverhalten der einzelnen Mieter und Mieterinnen. Eine Herausforderung wird es sein, die persönlichen Daten der Kunden zu schützen und dennoch in vollem Umfang von den neuen Technologien zu profitieren.

 

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